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ADFC und VCD sehen rot bei Sicherheitskampagne des Bürger- und Ordnungsamtes

10.08.2010

Mit zwei Plakatmotiven startet das Karlsruher Bürger- und Ordnungsamt seine Sicherheitskampagne für Radfahrer. Der Slogan des ersten Plakates lautet zur abgebildeten roten Radfahrerampel „Viele Radler sehen hier grün. Die Polizei sieht rot.“ Darunter werden drei Forderungen gelistet: „1. Verkehrssicheres Rad benutzen; 2. Fahrradhelm tragen; 3. Verkehrsregeln beachten.“ Das zweite Plakatmotiv zeigt ein umgefallenes Fahrrad unter dem Slogan „Ihr Fahrrad kennt keinen Schmerz, aber Sie!“ Darunter sind die gleichen Forderungen wie die des ersten Plakats abgedruckt.

Hier stellen sich viele Fragen: Wie verträgt sich diese Kampagne mit der Förderung des Radverkehrs und dem Ziel, 2015 Fahrradstadt Nr. 1 in Süddeutschland zu werden? Wird es nun auch Plakate für Fußgänger geben, die bei Rot über die Ampel gehen? Wie steht es mit einer Kampagne für Autofahrer, die Radstreifen als Parkstreifen nutzen und die Vorfahrt von Fahrradfahrern missachten?

„Wir sehen keinen Sinn in dieser Sicherheitskampagne, denn sie stellt das Radfahren als gefährlich und Radfahrer überwiegend als Missachter von Verkehrsregeln dar. Das entspricht nicht den Tatsachen. - Es geht vielmehr darum, dass alle Verkehrsteilnehmer sich gegenseitig respektieren und sich an die Verkehrsregeln halten. Deshalb sollte man nicht eine Verkehrsteilnehmergruppe auswählen und diese diffamieren“, erklärt Isabelle Bohnert, Vorsitzende des ADFC Kreisverbandes Karlsruhe.

In 75 % der Unfälle, in denen Radfahrer verwickelt sind, sind Autofahrer beteiligt. Drei Viertel dieser Unfälle werden von Kraftfahrzeugfahrern verursacht. Dabei sind die Radfahrer gegenüber dem motorisierten Verkehr in der schwächeren Position. Der ADFC hat aus diesem Grund Goldene Regeln für die Verkehrssicherheit für Radfahrer aufgestellt, die folgendermaßen lauten:

- Rücksicht nehmen und vorsichtig Rad fahren.
- Nach außen selbstbewusst, innerlich aber defensiv fahren.
- Eindeutig und vorausschauend Rad fahren. Handzeichen geben.
- Blickkontakt zu anderen Verkehrsteilnehmern suchen.
- Abstand halten und sich Sicherheitszonen schaffen.
- Abbiegende Autos und Lkws erfordern erhöhte Aufmerksamkeit.
Stichwort: Toter Winkel.
- Nicht als Geisterfahrer unterwegs sein.

Die Forderung, einen Helm zu tragen, löst das Sicherheitsproblem der Fahrradfahrer nicht, würde aber die Fahrradnutzung drastisch senken und damit den Autoverkehr zunehmen lassen. Dies ist weder umwelt- noch gesundheitspolitisch zu verantworten. Der ADFC weist Forderungen nach einer Helmpflicht aus diesen Gründen als untauglich zurück.

Selbstverständlich spricht nichts dagegen, wenn sich Radfahrer individuell mit einem Helmschützen. Der ADFC vertritt allerdings die Auffassung, dass eine generelle Senkung des Unfallrisikos für Radfahrer vorrangig durch eine radfahrerfreundliche Verkehrsplanung erfolgen sollte. Eine Durchsetzung niedrigerer Autogeschwindigkeiten in bewohntenGebieten kann darüber hinaus die Schwere von Unfallfolgen deutlich verringern.

„Wir bedauern, dass die Stadt Karlsruhe für diese zweifelhafte Kampagne Geld in die Hand nimmt. Eine Auseinandersetzung mit den vor Ort aktiven Verkehrsverbänden hätte sicherlich zu einem besseren Ergebnis geführt“, so Uwe Haack, Vorsitzender des VCD Kreisverbandes Karlsruhe. (PM ADFC KV KA)