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Für Karlsruhe in die Pedale getreten

09.10.2006

Planungsausschuss informierte sich über das Radkonzept Münsters/Weitere Themen der Bildungsreise: Mehrgenerationenwohnen, Hafenkonversion und Hochhauskonzept

In keiner deutschen Stadt fahren die Menschen so oft Fahrrad wie in Münster: Jeden Tag schwingen sich 60 000 Münsteraner auf ihre „Leeze“ um von A nach B zu kommen. Welche Vor- und Nachteile der hohe Radverkehrsanteil von 35 Prozent für eine Stadt mit 279 000 Einwohnern hat, erkundete eine rund 20-köpfige Delegation aus Karlsruhe letzte Woche. Unter Leitung von Bürgermeister Ullrich Eidenmüller reiste der Planungsausschuss zusammen mit Fachleuten von Stadtplanungsamt, Bauordnungsamt, Tiefbauamt und Gartenbauamt in die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt und machte sich selbst ein Bild vom Radkonzept Münsters. Weitere Themen der Bildungsreise waren Mehrgenerationenwohnen, Hafenkonversion und Hochhauskonzept.

Seit den fünfziger Jahren fördert die Stadt Münster konsequent das Radverkehrsnetz. Dazu öffnete sie Einbahnstraßen, Fußgängerzonen, weist Fahrradstraßen und -wege aus, bietet Bike- und Ridestationen sowie Abstellflächen an. Bekanntes Bauprojekt am Hauptbahnhof ist die Radstation mit 3 300 Stellplätzen. Mittlerweile ist aber auch die nicht ausreichend: Täglich parken weitere 6 000 Münsteraner ihr Rad auf dem Gelände des Hauptbahnhofs. Großer Vorteil der Innenstadt Münsters ist zudem der Fahrradring: Wo einstmals die Stadtmauer stand, ist heute der „Rad-Highway“, der die Innenstadt von allen Seiten erschließt. Herausforderungen für die nordrheinwestfälische Stadtverwaltung sind derzeit vor allem die Bewältigung der Massen von abgestellten Rädern in der Innenstadt sowie die Absenkung von Unfällen mit Fahrradfahrern. Letzteres will die Stadtverwaltung durch städteplanerische Maßnahmen, aber auch durch repressives Vorgehen der Polizei erreichen. Anders als in Karlsruhe spielt in Münster der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) keine große Rolle. Ein Straßenbahnnetz wie in der Fächerstadt gibt es dort nicht. Der Karlsruher Planungsausschuss und die Experten der Stadtverwaltung konnten somit viele nützliche Anregungen mitnehmen, eine 1:1 Übertragung der Konzepte auf die Fächerstadt ist aber ihrer Ansicht nach nicht möglich.

Wie „Mehrgenerationenwohnen“ erfolgreich umgesetzt werden kann, erfuhr die Reisegruppe bei einem Mietbauprojekt am Stadtrand von Münster sowie bei einem Eigentumsbauprojekt in Dortmund. In beiden Fällen hatten sich im Vorfeld Familien, Senioren sowie Singles kennengelernt und dann beschlossen, gemeinsame Sache zu machen. Zudem begleitete und moderierte bei beiden Projekten eine städtische Anlaufstelle den Bau von der Planung bis zum Einzug. Wichtig sei beiden Wohngruppen vor allem der gemeinsame Raum von der Spielfläche im Innenhof bis hin zum Gemeinschaftshaus mit Küche und Gästezimmer.
Informativ für die Karlsruher war auch der Stopp in Düsseldorf: Hier standen Hafenkonversion und Hochhauskonzept auf der Agenda. Auf brach liegendem Gelände des Düsseldorfer Hafens haben sich Medienschaffende, Hotels, Gastrononomen und Modeboutiquen angesiedelt. Neben modernen Neubauten blieben auch hafentypische und denkmalgeschützte Bauten erhalten. Für die Karlsruher Delegation war der Medienhafen zwar ein spannendes Konzept, wenngleich es aufgrund der industriellen Nutzung des Karlsruher Hafens derzeit noch keine große Rolle spielt.

Zudem erfuhr die Reisegruppe, wie die Düsseldorfer Stadtverwaltung städteplanerisch mit Hochhäusern verfährt: Im Vordergrund steht hier die Wahrung der „Stadtkrone“ – dem durch die Altstadt geprägten Profil Düsseldorfs. Ähnlich wie in Karlsruhe gibt es hier ein stufen- und zonenartiges Modell, das Hochhausbebauung in städteplanerisch geeigneten Gebieten zulässt.
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